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Unsere Geschichte

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Eine Idee entsteht

„Wie seid ihr dazu gekommen, ein Babyheim in Indien zu eröffnen“, werden wir immer wieder gefragt. Darum möchten wir allen Interessierten  berichten, wie es geschah, dass wir Eltern von inzwischen über 100 indischen Kindern an zwei Standorten wurden.

Bei einem Besuch in Madras (Chennai) im Jahre 1992 wurden wir mit der unglaublichen Not der indischen Bevölkerung, insbesondere der Kinder konfrontiert. Spontan entstand bei uns der Wunsch, ein indisches Baby zu adoptieren und zusammen mit  unseren Kindern aufwachsen zu lassen. Angesichts der sehr hohen bürokratischen Hürden, mit denen die indischen und die deutschen Behörden unserem Antrag begegneten, haben wir dieses Ziel jedoch schließlich nicht weiter verfolgt.

Nach wie vor reisten wir aber immer wieder nach Indien, da wir in der Zwischenzeit intensiven Kontakt mit einer von indischen Christen geführten Missionsarbeit in Tenali hatten. 1996 fragte uns deren Leiter, Bruder Yohan, ob wir uns nicht vorstellen könnten, statt der Adoption direkt in Indien eine Arbeit mit Babys und kleinen Kindern aufzubauen. Wir erbaten uns Bedenkzeit, die wir zu Gesprächen mit Verwandten und Freunden und zum Gebet nutzten. Ein Besuch bei Mutter Teresa im März 1997 gab dann den Ausschlag, sodass wir uns im April des gleichen Jahres dazu entschieden, in Südindien ein Babyheim zu gründen.

Gern möchten wir betonen, dass unser christlicher Glaube die Motivation für diese Arbeit ist. Jesus Christus spricht:  

„Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Bibel, Matthäus - Evangelium Kap. 25 Vers 40)

Unsere Aufgabe sehen wir darin, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen und ihnen ein liebevolles Zuhause zu geben. Für alle Kinder finden abends altersgerechte Andachten statt, bei denen sie biblische Geschichten hören und auch viel singen. Gleichzeitig liegt uns sehr am Herzen, den Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Wir schicken die Kinder und Jugendlichen deshalb auf Privatschulen, damit sie besonders gut die englische Sprache erlernen. Weiterhin sorgen wir für eine gute Ernährung, Kleidung und regelmäßige medizinische Betreuung. 

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Organisation

Wenn man ein solches Vorhaben von Deutschland aus betreiben möchte, ist es notwendig, mit zuverlässigen Vertrauenspersonen zusammen zu arbeiten. Dies war zunächst Bruder Yohan (Lieblingsmotto: „No problem“, er ist inzwischen verstorben), der als Leiter einer Missionsstation mehrere karitative Einrichtungen geführt hat, u.a. eine Schule mit angeschlossenem Internat. Er fand rasch ein geeignetes Haus in Tenali, das wir mieteten. Bereits im Juli 1997 konnten die ersten zehn Kinder einziehen. Heute bietet das Babyheim Bethesda (hebr.: Haus der Barmherzigkeit) in Repalle in der Nähe von Tenali über 60 Kindern  ein Zuhause. 2015 haben wir dann noch die organisatorische und finanzielle Verantwortung eines Kinderheims in Berhampur (600 km nördlich im Bundesstaat Odisha) übernommen. Um die Unterbringung der ca. 40 Kinder langfristig zu verbessern, haben wir am Stadtrand von Berhampur ein großes Grundstück gekauft und ein neues Heim errichtet.

Die Leitung der Häuser liegt jeweils in den Händen von Hauseltern, die Organisation hat seit vielen Jahren unser Verwaltungsleiter Murthy inne. Pflegerinnen kümmern sich um die Kinder, spielen mit ihnen, baden sie und machen Vieles mehr. Weitere Mitarbeiter übernehmen das Kochen und das Wäschewaschen. Wenn  Babys neu zu uns kommen, bedarf es besonderes intensiver Pflege, für die weiteres Stand-by-Personal eingestellt wird.

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Medizinische Situation

Bei ihrer Aufnahme im Babyheim werden die Kinder gründlich untersucht. Sie befinden sich oft in einem schlechten Zustand und müssen umfangreich medizinisch behandelt werden. Oft leiden sie an Unterernährung, Hauterkrankungen, offenen Geschwüren, chronischem Husten und Ungeziefer. Mit Hilfe von aufbauenden Vitaminkuren und einer Leichtkostdiät bessert sich ihr Gesundheitszustand allmählig, bis sie normales Essen zu sich nehmen können. Zu ihrem Schutz werden sie gegen Polio, Tb, Typhus u. a. geimpft. Es ist immer wieder beglückend zu sehen, wie gut die Kinder sich entwickeln. Nach einer Eingewöhnungszeit sieht man diesen fröhlichen Kindern ihr schweres Schicksal nicht mehr an.

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Die Kinder

Es kommt häufig vor, dass Mütter ihre Säuglinge nicht aufziehen können. Dies gilt vor allem für Mädchen. In Indien wird wegen der später erforderlichen Mitgift die Geburt weiblicher Kinder als ein solches Unglück angesehen, dass sie nicht selten getötet  oder verstoßen werden.

Dieses Schicksal wäre auch den Zwillingen Mary und Martha beschieden gewesen, deren Mutter sie 1997 nach schwieriger Geburt im Krankenhaus zurück ließ. Die Kinder waren unterernährt, ihr Gesundheitszustand war äußerst kritisch. Wir stellten damals zwei Frauen ein, die sich ausschließlich mit den Beiden beschäftigten. Wochenlang wurden sie liebevoll gepflegt. Nach sechs Monaten besserte sich ihr Zustand. Sie sind inzwischen erwachsen und haben das Heim bereits vor einigen Jahren verlassen können.


Weitere Beispiele sind Graham, Vinod und Jvothi. Grahams Mutter hat ihren Mann umgebracht, ist vor der Rache der Familie geflohen und hat dabei den kleinen Jungen unversorgt zurückgelassen. Vinod hat mit vier Jahren seine Mutter bei einem Unfall verloren. Jvothi ist als Vollwaise im Alter von einem Jahr zu uns gekommen. Sie hatte einen Herzfehler. Durch ständige ärztliche Fürsorge hat sich ihr Zustand entschieden verbessert und eine zunächst erwogene Operation war nicht mehr notwendig.

Das Schicksal der Kinder ist  sehr unterschiedlich. Neben den beschriebenen typischen Fällen kommt es auch oft vor, dass der Vater stirbt oder die Familie verlässt und der neue Mann  die Kinder aus der ersten Ehe nicht übernehmen will. Die seelischen Verletzungen, die die Kinder aus solchen oder ähnlichen Verhältnissen davontragen, kann man nur ahnen. Es ist immer eine große Freude, wenn man spürt, wie die Kinder sich in der  Gemeinschaft wie in einer Familie wohl fühlen.

Jedes unserer Kinder ist uns ans Herz gewachsen. Sie sind sehr stolz auf ihre „Eltern“ in Deutschland. Wenn wir bei unseren regelmäßigen Besuchen mit Koffern voller Spielsachen und anderer begehrten Dinge erscheinen, ist die Freude auf beiden Seiten groß. Zusammen mit den Kindern unternehmen wir jedes Mal Ausflüge, die alle sehr lieben. Auch zu den Mitarbeitern pflegen wir enge persönliche Kontakte. Häufig besuchen uns bei diesen Gelegenheiten auch unsere "Ehemaligen" mit ihren Familien.

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Finanzierung und Entwicklung

Während der Gründungsphase konnten wir das Heim ausschließlich mit Ingrids Einkommen sowie Spenden von Freunden und Verwandten finanzieren.

Als es nötig war, ein Grundstück in Repalle zu kaufen und ein eigenes Heim zu errichten, gründeten wir in Deutschland den gemeinnützigen Verein Waisenhaus Bethesda Babyhome e. V. und begannen Spenden zu sammeln. Neben der Hilfe durch unsere Familien Ingrid und Rainer Pickhardt und Christine und Jürgen Goldnau kamen im weiteren Verlauf Freunde und Bekannte hinzu, wovon einige regelmäßige Spender sind. Vorträge über die Babyheime informieren über unsere Arbeit und führen gelegentlich zu spontanen Spenden. In dem Maß, wie die Zahl der Kinder im Heim zunahm, wuchs auch der Kreis der Menschen, die unsere Arbeit einmalig oder dauerhaft unterstützen.

Für die Versorgung eines Kindes werden monatlich etwa 50 Euro benötigt. (Essen 15 Euro, Unterbringung 8 Euro, Betreuung 8 Euro, medizinische Versorgung 13 Euro, Kleidung 6 Euro)


Es ist unser Prinzip, dafür zu sorgen, dass jeder gespendete Euro auch im Kinderheim ankommt. Das gelingt, weil wir die Kosten für Reisen nach Indien selbst tragen und alle organisatorischen Arbeiten in Deutschland ehrenamtlich von unseren beiden Familien geleistet werden.


Diese organisatorischen Aufgaben umfassen die Registrierung der Spendeneingänge und Versendung der Spendenbestätigungen am folgenden Jahresanfang, die Zuteilung der benötigten Finanzmittel an die Heime, die Kontrolle und Erfassung aller in Indien getätigten Ausgaben für die Überprüfung des Finanzamtes, das Schreiben des Jahresberichtes einschließlich Druck und Versand an alle Spender und Freunde der Indienarbeit. Außerdem erfolgen jährlich zwei Reisen zum Besuch der Kinderheime.

In Zukunft ist geplant, dass unsere Kinder Richard und Gloria mit Ihren Ehepartnern sowie Teresa diese Aufgaben Schritt für Schritt übernehmen.

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Ausblick

Mit dem vierten Lebensjahr gehen die kleinen Kinder bereits in eine Vorschule. Dort lernen sie unter anderem das englische Alphabet. Ab einem Alter von sechs Jahren besuchen die Kinder regelmäßig eine Schule, denn eine gute Schulausbildung ist uns sehr wichtig. Je nach Fähigkeit besuchen sie nach der Primary school eine weiterführende Schule. Damit haben sie gute Voraussetzungen für eine Berufsausbildung und den Start in ein selbstständiges Leben.


Da wegen der neuen Häuser an beiden Standorten mittlerweile genug Platz vorhanden ist, betreuen wir alle Kinder so lange, bis sie selbstständig sind und ihr Leben eigenständig führen können.


In einmal jährlich erscheinenden Info-Heften berichten wir z. B. darüber, wer in der Zwischenzeit neu aufgenommen wurde, wie einzelne Kinder sich entwickeln, oder welche besonderen Ereignisse es zu vermelden gibt. Die Fotos der Kinder zeigen eine glückliche Gemeinschaft, in der sie wie in einer großen Familie zusammen leben. Wir hoffen, weiterhin möglichst vielen Waisen, Halbwaisen und sehr armen Kindern ein behütetes Zuhause geben zu können, in welchem sie die Chance bekommen, geschützt und liebevoll umsorgt aufzuwachsen, wie es das Recht eines jeden Menschen sein sollte.

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